Wie leicht könnt ihr VERZEIHEN???
Wie schwer fällt es euch, jemand anderem, für etwas, das er/sie "getan" hat, zu VERGEBEN???
Ehrlich gesagt: Mir fällt das -zumindest bei "schwerwiegenden" Dingen- verdammt schwer!!!
Und dabei sollte man das können... so als erwachsener Mensch... oder?
Seit Tagem schon geht mir dieses Thema durch den Kopf -das macht die Sache auch nicht einfacher-, aber ich überlege, ob es dadurch vielleicht ein wenig LEICHTER würde, mit diesem Verlust klar zu kommen? Die Trennung endlich (nach 9 Monaten) zu überwinden und nicht mehr bei jedem kleinsten Gedanken an "ihn" einen Kloß im Hals zu haben und Tränen in den Augen...
Mir steht in 4 Tagen eine Begegnung bevor, die ich am liebsten MEIDEN möchte! Andererseits möchte ich "ihn" wiedersehen, ihm mal wieder "nah" sein (ja...dumme Hoffnungen hab ich immer noch, was natürlich totaler Unfug ist! :-((() ... andererseits weiß bzw. denke ich, dass es -trotz aller inneren Widerstände- möglicherweise wichtig wäre, in dieser Phase der Trennung und der blöden Gefühlslage, sich "ihm" zu stellen, auch, wenn mich das momentan total überfordert!
Ich habe das Gefühl zum ersten Mal in meinem Leben wirklich NICHT zu wissen, WIE ich mich (ihm gegenüber) verhalten soll, denn so eine Situation kenne ich schlichtweg nicht!!!
(Als meine 1. längere Beziehung Mitte der 20er beendet war, hab ich den Mann erst nach Jaaaahren wieder gesehen, da war alles schon sozusagen "vergessen" -aber eben nicht vergeben, wie ich dann merkte!!!-... bei der 2. Beziehung Ende der 20er verhielt es sich ähnlich und bei/mit meinem EX-Mann Anfang der 30er... nun, den musste ich ja zwangsläufig öfter sehen wegen unserer Tochter. Da aber auch von meiner Seite aus die Gefühle rasch abgekühlt waren, hat mir das nichts ausgemacht. ER war derjenige, der gegangen war, aber zu einer wirklichen "Aussprache" kam es -trotz vielfachem Wunsch meinerseits- leider nie! Und ich glaube nun, dass ich ihm das auch nie verziehen habe, dass er uns "einfach so" (in meinen Augen ohne Grund) sitzen gelassen hat, als die Maus gerade 1 Jahr alt war... )
EGAL, das ist Schnee von gestern... darum geht es mir hier & jetzt auch nicht!
Es geht vielmehr um "ihn", der nach 7,5 Jahren -wie mir schien "einfach so"!- plötzlich & ohne Vorankündigung, ohne (deutliche) Anzeichen zuvor, den CUT gemacht hat. Irgendwie krieg ich das immer noch nicht auf die Reihe!
Ich habe seitdem das Gefühl nur noch zu "funktionnieren", weil es nötig ist... im Beruf, aber auch im Privatleben! Ich lebe mein Leben quasi wie ein Automat "neben mir"... ohne wirklich zu fühlen... ich lasse es aber auch nicht zu, dieses Fühlen, denn dann müsste ich mir "die Kugel geben"... da bin ich mir sicher.
Seit ein paar Tagen bin ich ja nun hier in der BRETAGNE an meinem "Seelenort"... der Ort, der mir seit bald 40 Jahren so vertraut ist, wo ich mich "daheim" fühle, weil ich quasi jede Straße, jedes Steinchen, jede Muschel am Strand "kenne" ;-)... auch die Menschen hier sind mir vertraut, selbst, wenn ich nur wenige persönlich kenne. Und seit Tagen treibt es mich um, dieses Verlassen-worden-sein... gerade hier an diesem Ort, der auch mit so vielen Erinnerungen verbunden ist (denn wir waren oft hier!) ...es macht mich wütend, verzweifelt, traurig, aber auch seltsamerweise schadenfroh erfreut (dass er diese Schönheit & das Gefühl hier mit mir nun nicht/NIE mehr erleben wird!) und erleichtert mich andererseits, dass dieser Rückzug, dieser Ort für MICH noch immer existiert... immer existieren wird!!!
In dem schlauen Buch, das ich gerade lese (s. rechte Seite "A côté de mon lit", allerdings lese ich das etappenweise eher "nebenher", weil so am Stück geht nicht!), standen/stehen etliche Dinge, die mich sehr nachdenklich stimmen:
"Die Partnerschaft endet(e) nicht wegen ihnen, sondern weil ihre Eigenschaften und seine Erwartungen nicht mehr zusammenpassten. Das war zu Beginn ihrer Partnerschaft nicht vorhersehbar, denn sonst hätten Sie sich nicht füreinander entschieden. Die Tatsache, dass Ihr Partner nicht mehr mit ihnen zusammenleben/-sein möchte, heißt nicht, dass Sie kein guter Partner sind." (S. 70)
Ein paar Seiten weiter heißt es in dem Zusammenhang, wo es im weiteren Sinne um Selbstzweifel geht:
"Wut auf uns selbst entsteht dann, wenn wir uns Vorwürfe machen..." (S.86) ...so nach dem Motto: Wenn ich mich anders verhalten hätte, dann wäre es nicht zur Trennung gekommen!.... "Wir erwarten und fordern von uns, dass wir uns anders fühlen und verhalten sollen, als wir es tun. Wir entsprechen nicht unserem Wunschbild, das wir von uns haben. Mit jeder Forderung und jedem Vorwurf an uns lösen wir Wut in uns aus." (S.87)
"Sie bestimmen ...durch ihren momentanen Umgang mit ihrer Wut, wie Ihre Zukunft aussehen wird. Allein deshalb ist es sinnvoll, sich und ihrem Expartner zu verzeihen." (S.113)... und damit "meine ich nicht, 'gutheißen', was er getan hat. ... Ich meine damit, sein Handeln zu akzeptieren als einen Ausdruck seiner Person. Ich meine Verzeihen um Ihretwillen. Verzeihen hat weder damit zu tun, das Sie ein guter Mensch werden wollen, noch damit, dass Sie den anderen Menschen von seiner Verantwortung freisprechen wollen. Verzeihen ist vollkommen egoistisch...." (S.114)
"Akzeptieren Sie ihre Wut und drücken Sie sie auf konstruktive Weise aus, so dass Sie sich nicht mehr als das Opfer fühlen. ... Ihr Expartner hat sich nicht von Ihnen getrennt, um Ihnen wehzutun. Er trennt(e) sich nicht, um Sie fertig zu machen. ... Ihr Expartner hat das Beste getan, was ihm aufgrund seiner Lebensgeschichte und seiner persönlichen Einstellung möglich war." (S.115)
Ich muss lernen IHM und MIR zu verzeihen!!!
Und da ich, bzw. wir beide, den keltisch-irisch-bretonischen Wurzeln verbunden waren (bzw. noch sind, ich zumindest ;-)) suchte und fand ich einen keltischen Segen,
der für mich einen Anfang darstellen soll im Üben des Sich-und-dem-Anderen-Verzeihens...
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